Was gibt's Neues? (05.12.2018)

Funkenliebe 6. Roman
Veröffentlicht

Sinnenlust 5 Kurzgeschichte
Veröffentlicht am 02.12.18

Sinnenlust Gesamtausgabe
Taschenbuch & eBook
Veröffentlichung 09.12.18

Schneebrüder (Arbeitstitel) 7. Roman
Schreibphase (55.000 von ca. 80.000 Wörtern)


Meine Lieben, noch vor Weihnachten erscheint der letzte Teil meiner Kurzgeschichten-Serie und dann gibt's natürlich auch die Gesamtausgabe. Ich bin glücklich, dass die Serie nach vier Jahren so einen schönen Abschluss gefunden hat. Bleibt dran!

Eure Di

❥ Leseprobe: Geisterküsse


»Und was ist mit dem?«, fragte ich irgendwann beiläufig und deutete mit den Augen zu dem blassen Jungen rüber, der allein an einem Tisch am Fenster saß.
»Geisterauge?« Jackson wirkte einmal mehr gelangweilt, weil er über etwas anderes reden sollte, als über sich selbst und seine fabelhafte Welt.
»Ja. Wer ist das?« Warum sie ihn Geisterauge nannten, brauchte ich nicht zu fragen. Das lag auf der Hand.
»Das ist Tiberius.«
Ich überlegte, ob er mich veralbern wollte. »Tiberius
»Tiberius Thurgood. Im Ernst, wie sehr kann man sein Kind hassen?«
Alle lachten.
In Gedanken wiederholte ich den Namen.
Tiberius Thurgood.
»Und warum habt ihr ein Problem mit ihm?«
»Weil er irre ist. Deshalb!« Jetzt klang Jackson etwas zickig. »Ehrlich, denk nicht, dass wir hier die Bösen sind, die grundlos elende Loser wie Thurgood schikanieren. Mit dem kommt einfach keiner klar. Deshalb hat er auch keine Freunde. Der ist selber schuld.«
Kurt beugte sich über den Tisch. »Wenn man's genau nimmt, kann das Würstchen ja nicht mal was dafür. Ich würde auch durchdrehen, wenn ich in dieser Irrenanstalt wohnen müsste.«
Jetzt verstand ich gar nichts mehr. »Er wohnt in einer Irrenanstalt?«
»Das Haus auf dem Hügel. Die alte Klapsmühle«, fügte Jackson erklärend hinzu.
Jeder kannte das Haus und seine düsteren Geschichten. Selbst ich und plötzlich sträubten sich mir die Härchen auf den Unterarmen.
»Das alte Haus hat ihn durchdrehen lassen.«
Pete deutete ganz ungeniert mit dem Daumen über seine Schulter. »Er pinkelt sogar ins Bett. Wir waren alle dabei. Er hat Kurt angepinkelt, als sie sich auf der Fahrt ein Doppelbett geteilt haben. Kurt ist ausgeflippt und hat ihm saftig welche verpasst.«
Wieder lachten alle zustimmend.
»Wie lange ist das her?«
Nachdenkliches Gemurmel.
»Nicht so lange, wie du jetzt vielleicht denkst«, antwortete Jackson. »Danach haben ihn seine Eltern abgeholt. War das letzte Mal, dass er einen Ausflug mitgemacht hat.«
»Zum Glück«, nuschelte Pete, jetzt mit einem großen Stück paniertem Fleisch im Mund. »Auf den können wir gut verzichten.«
Ich versuchte, nicht mehr zu Tiberius rüberzustarren, doch das war unmöglich. Nachdem, was ich gerade erfahren hatte, zog es meine Augen immer wieder zu ihm hin. Konnte das alles stimmen? Wohnte er wirklich in dem alten Haus, das früher einmal eine Nervenheilanstalt gewesen war? War er verrückt? Und hatte er tatsächlich nachts ins Bett gemacht und Kurt angepinkelt?
»Was ist mit seinen Augen?«, murmelte ich.
Jackson nickte verschwörerisch. »Eins ist abgestorben, deshalb sieht es so komisch aus. Mein Dad sagt, wenn es abgestorben ist, muss es rausgenommen werden, aber Pete meint, er will es bestimmt behalten, weil er damit Geister sehen kann.«
»Wär doch nur logisch«, bestätigte der völlig überzeugt.
Plötzlich meldete sich Kurt verdrossen von der anderen Seite des Tisches. »Es ist sicher längst ein Glasauge.«
»Wie kann einem denn das Auge absterben?«, fragte ich die beiden leicht schockiert. »Wen interessierts. Soll er es doch drinlassen und daran verrecken. Mir jedenfalls jagt er mit der Nummer keine Angst ein«, murrte Jackson.
Und Kurt stöhnte. »Alter, können wir jetzt über was anderes reden?«
Ich zwang mich, den Blick von dem Jungen zu nehmen und kurz darauf läutete es. Alle erhoben sich widerwillig. Auch wir gaben unsere Tabletts ab und beim Hinausgehen legte Jackson seine Hand auf meine Schulter. »Gleich morgen früh gehen wir zum Coach und tragen dich ein, McGraw!«
Ich zuckte nachgiebig die Schultern und sah mich unauffällig nach dem blassen Jungen um. Er saß immer noch an seinem Tisch, doch jetzt las er nicht mehr in seinem Buch. Er hatte den Kopf gehoben und starrte uns mit feindseligem Blick hinterher.
Unwillkürlich entzog ich mich Jacksons Arm ...



Rohtext, Vorabhäppchen, Leseprobe, Auszug, Geisterküsse. Textcopyright Diana Wintermeer

http://www.dianawintermeer.de/p/und-was-ist-mit-dem-fragte-ich.html