Dienstag, 20. Januar 2015

❄ Sonderband Häppchen

... Weil es heute so toll geschneit hat (endlich!) und ich deshalb verflucht sentimental bin, gibt's heute mal ein kleines Rohtext-Häppchen von Die Farbe des Lichts - Richard. Nichts besonderes, nur die Szene, an der ich gerade arbeite. :-)

❄ ❄ 

David besuchte mich wie jedes Jahr am zweiten Weihnachtsfeiertag. Da es noch früh am Vormittag war, setzte ich Kaffee für uns auf. Als ich danach ins Atelier kam, stand er stand vor dem Bild, das nun fast fertig war.
»Herr im Himmel, Richard! Was für ein Meisterwerk. Das wird auf dem freien Markt eine ordentliche Summe einbringen.« Das war typisch für ihn. Durch und durch Geschäftsmann, witterte er jede Goldmine sofort zehn Meilen gegen den Wind.
»Da muss ich dich enttäuschen. Ich habe nicht vor, es zu verkaufen«, erklärte ich ruhig und stellte das Tablett auf den Tisch vor den Kamin. 
Als ich zu ihm ging, musterte er mich. »Wer ist er?«
Es fiel mir eigenartig schwer, die Frage zu beantworten, deshalb schwieg ich. Einen Augenblick lang standen wir nur da und betrachteten den ölfarbenen nackten Körper, der die Leinwand vor uns zierte.
»... Dann hast du ihn also endlich gefunden?«, resümierte David schließlich.
»Sieht ganz so aus«, murmelte ich.
»Wie ist sein Name?«
»Chris.«
»Er ist hübsch«, stellte David fest und trat noch ein Stück zurück, um das Bild als ganzes zu betrachten. 
»... Und er ist verdammt jung.«

❄ ❄