Sonntag, 4. Januar 2015

❥ Leseprobe: Traubensaft

Als Desmond aus der Stadt zurückkam, war es beinahe Abend geworden.
Die Überschreibung des Gutes hatte den ganzen Tag in Anspruch genommen, doch mit Hilfe von Pedro, dem obersten Weingärtner, war es nach einigen behördlichen und sprachlichen Schwierigkeiten endlich vollbracht gewesen. Nun gehörten seinem Freund und ihm tatsächlich 2000 andalusische Hektar Land. Das zu realisieren würde gewiss noch eine ganze Weile dauern.
Vor dem Haus stieg Desmond vom Pferd und sah zu, wie die letzten Arbeiter die Plantage verließen, um zu ihren Familien ins Tal zurückzukehren. Die Sonne stand tief und tauchte die Rebfelder in ihr goldenes Abendlicht.
Noch bevor er seine Stute festgemacht hatte, kam Jimmy aus dem Haus gelaufen. Sein junger Freund sprang mit einem Satz über das Geländer der Veranda und warf sich ihm an den Hals. »Endlich bist du zurück! Wo warst du nur so lange? Der Tag ist fast vorbei.«
Desmond lächelte. »Hast du dir etwa Sorgen gemacht?«
Jimmy sah ihn merkwürdig an und zuckte die Schultern. »Es ist nicht gut, wenn wir uns trennen. Ich habe es glatt bereut, dass ich nicht mitgekommen bin.«
Zärtlich strich der Ältere ihm eine dunkle Haarsträhne aus der Stirn. »Du musst keine Angst haben. Wir sind nicht mehr in England. Die Menschen hier kümmert nicht, was wir sind oder was wir tun. Es besteht keine Gefahr mehr für uns.«
Die Worte vermochten Jimmy etwas zu beruhigen. »Dann ist alles erledigt?«
»Das Gut gehört jetzt offiziell uns«, bestätigte Desmond.
»Ich denke, das sollten wir feiern«, sagte Jimmy und küsste seinen Liebsten auf die feuchten Lippen.
»Hast du etwas Bestimmtes im Sinn?«
Der Jüngere grinste nur und nahm seinen Freund bei der Hand. »Komm mit mir. Es wird dir gefallen.«
Hand in Hand liefen sie über die Felder, die sie nun ihr Eigen nannten. Der August neigte sich dem Ende und damit stand die Weinlese unmittelbar bevor. In diesen Tagen vor der Ernte hatten die Rebstöcke schwer unter der Last der unzähligen Früchte zu tragen. Reif und saftig hingen die violetten Trauben an den festgebundenen Trieben und warteten darauf, von Erntehelfern gepflückt zu werden.
Nach ein paar Minuten verließ Jimmy den Pfad und lief zwischen den hohen Stöcken hindurch. Desmond folgte ihm gespannt. Hier oben erreichte sie kein Lärm, kein städtischer Trubel. Alles, was man hörte, war die laue Brise, die die saftig grünen Blätter der Reben rascheln ließ, das Zwitschern der Vögel und das leise Summen der Insekten.
Nach wenigen Augenblicken kamen sie zu einem kleinen lichten Platz, der vollkommen von Rebstöcken umschlossen war.
Es war ein intimes, geschütztes Plätzchen und Jimmy hatte bereits eine Decke auf dem Gras ausgebreitet. Daneben stand ein gut gefüllter Picknickkorb.
Desmond schmunzelte. »Was hättest du getan, wenn ich noch später zurückgekommen wäre?«
»Dann wäre es eben ein Picknick im Mondschein geworden«, lachte Jimmy, als sie sich gemeinsam auf der Decke niederließen.
Nach dem langen Tag hatte Desmond einen gewaltigen Appetit, deshalb warf er einen sehnsüchtigen Blick in den Weidenkorb. »Was ist das alles?«
»Ich weiß es gar nicht«, gestand der Jüngere. »Ana hat den Korb gepackt. Ich hatte gesagt, dass ich mit dir in die Felder hinaus wolle und sie schlug vor, den Spaziergang mit einem Picknick zu verbinden.«
Sie fingen an, die kleinen Päckchen auszuwickeln. Es war ein bunter Mix aus allerlei Häppchen. Grüne Oliven, in Öl geröstete und gesalzene Mandeln, mit Speck ummantelte Pflaumen, Kirschtomaten und Weißbrot mit Schinken und Käse. Beim Anblick dieser spanischen Köstlichkeiten zog sich Desmonds hungriger Magen sofort erregt zusammen.
Dazu hatte Pedros Frau eine Flasche des gutseigenen Rotweins gelegt. Jimmy reichte sie seinem Freund zusammen mit einem Öffner und stand auf, um ein paar frische Trauben zu pflücken.
»Ich habe das Gefühl, sie sind alle sehr froh darüber, dass die Arbeit auf der Plantage weitergeht«, sagte er. »Alle hier sind so nett zu mir. Sie behandeln mich wie einen Gentleman.«
Desmond war scheinbar nicht der einzige, den die warmherzige Freundlichkeit der Spanier beeindruckte. Er hielt die Flasche gegen die Sonne und betrachtete den intensiv rubinroten Wein. »Du bist jetzt ein angesehener Geschäftsmann. Immerhin gehört dir die Hälfte einer ganzen Plantage.«
»Ich weiß gar nicht, ob ich mich daran gewöhnen kann, dass sie mich jetzt alle Señor nennen«, sagte Jimmy und gluckste.
Desmond entkorkte die Flasche und füllte Wein in die mitgebrachten Gläser. Er duftete köstlich fruchtig. »Das wirst du aber müssen. Es gibt nämlich kein Zurück mehr, mi Señor James Doyle.«
Sie sahen einander an und lachten.
Natürlich musste das alles sehr neu für Jimmy sein. Er war nun gesellschaftlich ein ganzes Stück aufgestiegen. Noch vor ein paar Wochen hatte er im Dienste der DuPonts gestanden und als deren Hofjäger hatte er praktisch nichts besessen. Selbst die kleine Jagdhütte, die ihm als Heim gedient hatte, war ihm nur zur Verfügung gestellt worden. Sie gehörte, genau wie der Grund und Boden auf dem sie stand, Desmonds Eltern. Doch nun war er von einem Bediensteten zu einem Gutsherrn avanciert und das alles hatte er nur Desmond zu verdanken.
Mit einer Handvoll Trauben ließ er sich auf der Decke nieder und sein Freund reichte ihm ein Glas Wein.
»Stoßen wir auf unsere neue Heimat an«, verkündete Desmond und hob sein Glas. »Auf das Paradies, das nun uns gehört.«
»Auf ein neues Leben in Freiheit«, ergänzte Jimmy und Desmond nickte zustimmend.
Da es immer noch sehr warm war, hatten sie keine Eile. Sie genossen einfach die stille Zweisamkeit, erzählen und lachten, aßen Brot und Früchte und tranken den köstlichen Wein.
Dieser besaß nicht ohne Grund einen so ausgezeichneten Ruf. Trotz seiner fruchtigen Würze hatte er diese federleichte Note nach Pflaumen und süßen Kirschen. Damit passte er perfekt zu den kleinen, deftigen Leckerbissen, die Ana ihnen eingepackt hatte.
Irgendwann wurde Desmond nachdenklich. Er streckte sich auf der Decke aus und hielt eine ganze Traube praller, violetter Weinbeeren in die tiefstehende Sonne. »Wir haben Pfirsiche gegen Trauben getauscht«, murmelte er und besah sich die kleinen Früchte von allen Seiten.
Jimmy schien dasselbe zu denken wie er, denn er stellte sein Glas beiseite.
Auf allen Vieren kroch er zu Desmond hinüber und ehe der Ältere reagieren konnte, war er über ihm und presste seinen Mund zum Kusse auf den seines Liebsten. »Ich verzichte gern auf Pfirsiche«, nuschelte er ein bisschen beschwipst und schmiegte seine Lenden begehrlich gegen Desmonds Bauch. »Wenn ich dafür Trauben kriege.«
Desmond spürte die Härte seines Freundes so plötzlich, dass er vor Überraschung nach Luft schnappte und die Trauben fallen ließ. Einzelne Kugeln lösten sich und kullerten über seine Brust und in sein Hemd.
Jimmy achtete nicht darauf. Er presste sich noch enger an seinen Freund und die reifen Früchte platzten zwischen ihren Körpern. Sie küssten sich leidenschaftlich und bemerkten die Schweinerei erst, als es längst zu spät war.  
»Jetzt haben wir sie verschwendet«, brummte Desmond, als er sich die hellroten Flecken auf ihren Kleidern besah.
Jimmy aber schüttelte den Kopf und machte sich an den Hemdsknöpfen seines Freundes zu schaffen. Er legte Desmonds saftverschmierte Brust frei und begann, den süßen Nektar von seiner Haut zu lecken.
Desmond seufzte tief unter den sanften Berührungen seines Freundes. Die leichte Brise, die über sie hinweg wehte, kühlte seine entblößte, feuchte Haut und ließ ihn wohlig frösteln. Er legte den Kopf zurück und blickte selig in den wolkenlosen Himmel, als Jimmy die halb zerdrückten Früchte von seinem Körper klaubte.
Wahrlich, dachte er. Das Schicksal hat uns ins Paradies geführt.
Einen Augenblick später holte Jimmys Zunge ihn aus seinen Träumereien. Ganz zart nur glitt sie über die hellen Brustwarzen, aber Desmonds Leib durchzuckten sofort heftige Blitze der Erregung. Sie schossen direkt abwärts in seine Lenden.
Er stöhnte leise auf, als Jimmy anfing, sie zu traktieren und sich ihm die kleinen Knospen willig entgegenstreckten.
Desmonds Reithose fühlte sich plötzlich schmerzhaft eng an. »Du machst mich ganz schwach«, murmelte er und öffnete sie, um sich mehr Platz für seine vor Lust anschwellende Männlichkeit zu verschaffen.
»Weißt du, ich hatte einen Traum«, säuselte Jimmy und ließ von Desmonds hellen Perlen ab. Seine Pupillen waren geweitet, als er den Kopf hob und seine braunen Augen wirkten jetzt noch dunkler. »Es war in der Nacht, bevor wir das erste Mal-« Er unterbrach sich und biss sich auf die Unterlippe. Der Wein hatte seine Zunge vielleicht etwas zu sehr gelöst.
»Wovon hast du geträumt, Liebster?«, entgegnete Desmond und strich seinem Freund versonnen durch die dunklen Locken. Ob Jimmys Wangen vom Alkohol oder von seinen Gedanken so gerötet waren, vermochte er nicht zu sagen. Es machte ihn aber umso neugieriger. »Du kannst mir alles erzählen. Was es auch ist.«
Jimmy zögerte, aber dann gestand er: »Ich habe geträumt, dass ich dich ansehe.«
»Wie meinst du das?«
»Ich meine, du hast dich berührt und ich habe dir dabei zugesehen«, erklärte er und beugte sich hinunter, um Desmonds Wange zu küssen. »Ich würde dir gern dabei zuschauen«, flüsterte er. »Du kannst auch mir zuschauen, wenn du willst. Wir können es gleichzeitig machen.«
Dem Älteren dämmerte plötzlich, wovon sein Freund da sprach und die Bilder, die sich dabei in ihm regten, ließen ein wahres Feuerwerk in seinem Kopf explodieren. Einen Moment lang war er deshalb unfähig, etwas zu sagen.
»Wir müssen nicht, wenn du nicht willst«, flüsterte Jimmy reumütig. »Ich dachte nur, wir-«
Aber der Ältere legte ihm die Finger auf die Lippen. »Wenn du es möchtest, tun wir es.«
Jimmy dabei zuzusehen, wie er sich selbst anfasste … Wie sollte er ihm so einen Wunsch abschlagen? Nun, da sein Freund diese Fantasie in ihm gesät hatte, würde er sie nie wieder aus dem Kopf bekommen, solange er ihr nicht nachgab.
Außerdem mussten sie nicht fürchten, entdeckt zu werden, denn die Arbeiter waren schon lange fort.

Jimmy Gesicht wurde ernst und seine Wangen noch ein bisschen rosiger, als sie sich gegenseitig auszogen ...